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Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre war im Trinkwasser eine zunehmende Nitratbelastung zu verzeichnen. In einigen Brunnen wurden hohe und zum Teil ansteigende Nitratgehalte festgestellt.

Das Trinkwasser war jedoch auch in diesen Jahren immer einwandfrei, da der hohe Nitratgehalt mancher Brunnen durch andere völlig unbelastet gebliebene Brunnen wieder ausgeglichen werden konnte. Der Grenzwert für Nitrat von 50 mg/l nach Trinkwasserverordnung wird weit unterschritten. Da aber insgesamt ein leichter Anstieg des Nitratgehalts im Förderwasser beobachtet wurde, war Handlungsbedarf gegeben.
Der ZVG Dieburg steuert den Nitratgehalt des abgegebenen Trinkwassers durch das Fördermanagement der Brunnen. Somit können wir ganzjährig einen Nitratgehalt von 12 mg/l bis maximal 19 mg/l gewährleisten. Das Trinkwasser erfüllt die Vorgaben der EU-Kommission und ist für die Zubereitung von Babynahrung geeignet.
Stickstoff ist für Pflanzen der wesentliche Hauptnährstoff und wird vor allem in Form von Nitrat (NO3-) aufgenommen. Für ein gesundes und ertragreiches Wachstum werden den Pflanzen deshalb stickstoffhaltige Düngemittel zugeführt. Im Boden findet dann eine Umwandlung von stickstoffhaltigen Nährstoffen vor allem zum Endprodukt Nitrat statt. Leider ist von allen stickstoffhaltigen Nährstoffen das Nitrat die Form, die am leichtesten ausgewaschen wird und so ins Grundwasser gelangen kann.

Für den Menschen ist überreiche Nitratzufuhr schädlich, da es im Körper zu Nitrit umgewandelt werden kann und in Verbindung mit Amiden krebserregende Nitrosamine bildet. Bei Säuglingen wurde bei Zufuhr von Wasser mit stark erhöhtem Nitratgehalt Blausucht beobachtet.
Als mögliche Ursache für erhöhte Nitratgehalte im Trinkwasser wird vor allem die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von Flächen angesehen.
In den Einzugsbereichen der stärker belasteten Förderbrunnen unseres Gruppenwasserwerks ist der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche groß. Dies führte zu der Vermutung, dass die Auswaschung von landwirtschaftlichen Düngemitteln, wie z.B. Gülle oder Mineraldünger, als Ursache für die Nitratbelastung anzusehen ist.
Um die Ursachen der teilweise hohen Belastung aufzuspüren und tragbare Lösungskonzepte zu erarbeiten, wurde eine Kooperation zwischen dem ZVG Dieburg und Vertretern der Landwirtschaft gegründet.

Zur Bearbeitung des Problems beschäftigt der ZVG Dieburg einen Diplom-Agraringenieur, der die landwirtschaftlichen Betriebe einzeln besucht und berät, um mit den Landwirten eine bedarfsgerechte Stickstoff-Düngung für jede einzelne Fläche zu erarbeiten.

Vor der Düngung und nach der Ernte wird eine Bodenuntersuchung durchgeführt, um festzustellen wie viel Dünger noch im Boden ist. Dies führt der ZVG Dieburg bereits seit 1995 in besonders nitratbelasteten Bereichen auf inzwischen ca. 170 Flächen durch. Den Landwirten werden diese Ergebnisse mitgeteilt und zusätzlich eine Düngeempfehlung gegeben. Dann erst kann man den Pflanzen nur soviel Dünger geben, wie sie aufnehmen und verwerten können.
Im Herbst findet unser Agraringenieur regelmäßig hohe Nitratgehalte bei Flächen auf denen Mais angebaut wurde. Deshalb werden beim Anbau von Mais kontinuierlich Demonstrationen für ein bedarfsgerechtes und umweltschonendes Ausbringen von Gülle zur Reduzierung der Nitratgehalte durchgeführt.
Nach einer Hauptfrucht werden Zwischenfrüchte gesät, die meist bis in den späten Herbst stehen bleiben. Auch zum Anbau von Zwischenfrüchten werden Versuche angelegt, da sich gezeigt hat, dass gut gewachsene Zwischenfrüchte im Herbst noch hohe Stickstoffmengen aufnehmen können.

In Zusammenarbeit mit den Landwirten in unserem Versorgungsgebiet wird für jede Fläche, aus der eine Probe entnommen wurde, eine Stickstoffbilanz erstellt. Durch diese Bilanz kann jeder Landwirt sehen, wie viel Stickstoff auf seiner Fläche aufgebracht und abgefahren wurde. Ziel ist es, eine möglichst ausgeglichene Bilanz zu erreichen.
Für die Ausweisung von Wasserschutzgebieten strebt der ZVG Dieburg schon im Vorfeld Kooperationsverträge mit den Landwirten an.
Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft hier vor Ort und die gut aufgenommene Beratung stimmen optimistisch.
Da das Wasser aber viele Jahre benötigt, um von der Bodenoberfläche bis zum Grundwasser und dann zu den Brunnen zu gelangen, sind Erfolge leider nicht kurzfristig nachweisbar. Es wird noch Jahre dauern, bis die positiven Auswirkungen der beiderseitigen Bemühungen belegt sein werden.
Bis dahin wird der ZVG Dieburg in bewährter Kooperation mit der Landwirtschaft die Maßnahmen für eine bedarfsgerechte Düngung weiter vorantreiben.
Tel.: 06073 / 603-66
puschner@wasserwerk.com